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Ein Volksliederclash

Malarazza · Totentanz

Canto dei Sass’

Deutsche und mediterrane Lieder aus fünf Jahrhunderten treffen aufeinander — Lieder über gesellschaftliche Zustände, Ausgrenzung, Aufruhr und Trauer.

Do · 24.09.2026 · 20:00 Uhr schwere reiter · München

Das Programm

Wo sind eure Lieder?
Wie politisch ist ein Volkslied?

Immer haben wir uns bei der Beschäftigung mit mediterranen Liedern gefragt, warum es so viel schwerer ist, sich mit deutschen Liedern zu befassen, ohne in Heimat-, Volksmusik- oder gar schlimmere Schubladen gesteckt zu werden. Diese Überlegungen haben zum Projekt Malarazza · Totentanz geführt.

Neben dem Reiz der musikalischen Herausforderung geht es um die Texte und die unterschiedliche Stellung bestimmter Volkslieder im mediterranen und deutschen Kulturraum. In diesem „Liederclash“ stellen wir deutsche und mediterrane Lieder einander gegenüber — Lieder aus fünf Jahrhunderten, die weniger dem Zeitvertreib oder liturgischen Zwecken dienten, sondern Lebensumstände, gesellschaftliche Zwänge und Auflehnung schildern.

Süden

Ein lebendiges Erbe

In Italien werden widerständige Lieder — solche, die Vorgaben durch Gesellschaft und Machtverhältnisse ironisch hinterfragen oder sich direkt dagegen auflehnen — auch von Menschen begeistert gesungen, die ganz bestimmt nicht links sind. Sie gehören zum Allgemeingut, und die Menschen lassen sich dieses kollektive geistige Eigentum nicht wegnehmen.

So kennt jeder ihre Bedeutung: Kali Nifta, die inoffizielle Hymne des italienischen Südens; Malarazza, Christi Antwort auf die Klage eines Ausgebeuteten; antiklerikale Stornelli; oder Schmugglerlieder wie La Bricolla, die sich über die Obrigkeit lustig machen.

Norden

Eine verschüttete Tradition

In Deutschland werden solche Lieder selten spontan gemeinschaftlich gesungen. Auf den ersten Blick könnte man meinen, es gäbe sie gar nicht. Es gibt sie jedoch — doch die Unterdrückung widerständiger Volkslieder hat seit jeher ungebrochene Kontinuität.

Offen aufrührerische Lieder aus dem Bauernkrieg wurden verboten und mit ihren Sängern ausgelöscht, wie das Pündtisch Liedlein von Conz Annahans (1525). Verbotenes wurde in unverdächtige, geistliche Bilder verpackt — wie im Totentanzlied: Der Tod kommt zu allen, aber die Mächtigen werden erniedrigt, während der arme Bauer sanft zur Ruhe geleitet wird.

Manche Lieder verloren mit der Zeit ihre Bedeutung: Es ist ein Schnee gefallen (1467) scheint ein einfaches Winterlied — in Wirklichkeit beschreibt es ein Haberfeldtreiben, mit dem eine Dorfgemeinschaft ein lediges schwangeres Mädchen verfolgt. Manchmal werden die Worte rätselhaft, doch die Emotion bleibt: das Schweizer Lied Simmelibärg weckte ein Heimweh, das Landsknechte in fremden Diensten sofort kriegsuntauglich machte — sein Singen war in den Heeren bei Todesstrafe verboten.

So wird das Politische poetisch und das Poetische politisch — und beides zu Musik.

Ein „Clash“, der deutschen Liedern ihren existentiellen, von Leid und Empörung bestimmten Gehalt zurückgeben möchte — und einen Kontrapunkt setzen will zu den leider wieder aktuellen völkischen Tendenzen. Vielleicht finden wir eine Antwort auf Franz Josef Degenhardts Frage: „Wo sind eure Lieder?“

Zur Geschichte

Der Gesang der Steine

„Die Flüsse der Alpen können mit der Kraft ihrer Strömung die Steine in ihrem Bett zum Singen bringen.“

Aus diesem Bild ist der Name des Ensembles gewachsen: Canto dei Sass’ — der Gesang der Steine. Unsere Idee war, dem Lauf der Flüsse auf der Südseite des Alpenbogens in Volksliedern zu folgen, bis sich alle Ströme im Mittelmeer vereinen.

Aus diesem frühen Projekt zwischen italienischer und deutschsprachiger Tradition ist über die Jahre unsere heutige Arbeit entstanden. Wer die Ursprünge nachlesen möchte, findet sie auf unserer früheren Seite.

Zur früheren Website

Das Ensemble

Das Trio

Canto dei Sass’ beim Musizieren im Freien.

Termine

Live erleben

Do · 24.09.2026 · 20:00 Uhr

schwere reiter

Dachauer Straße 114a · 80636 München

  • Anfahrt Tram 21, 20, 12 · Bus 53 (Leonrodplatz)
  • Einführung Dr. Andreas Gressmann, ab 19:00 Uhr
  • Tickets 18 € / ermäßigt 12 €
Reservieren Infos & Reservierung über schwerereiter.de

Mo · 21.09.2026

Tines Salon

Berlin

Weitere Infos folgen

Sa · 26.09.2026

Inzlham

Oberbayern

Weitere Infos folgen

Vorschau · März 2027

Wangen im Allgäu

Baden-Württemberg

Termin folgt

Veranstalter & Presse

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eschmannd@gmx.de